Mediacenter für unter 100 € – Teil 1

Warum selber machen?

Nach über 5 Jahren treuer Dienste hat sich mein Wohnzimmer-Mediacenter (eine QboxHD) in die ewigen Jagdgründe der Elektronik verabschiedet. Um nicht ohne funktionierenden Fernseher zu sein, habe ich kurzerhand einen Raspberry Pi aus meiner Bastelkiste gefischt, die Mediacenter-Software Kodi installiert und alles an meinen Fernseher angeschlossen. Schon eine halbe Stunde nachdem ich angefangen hatte konnte ich wieder fernsehen. Bis auf eine etwas zäh reagierende Oberfläche hat mein neues Mediacenter mich spontan begeistert. Daraus reifte bei mir eine Idee: Warum nicht die neue Multimediazentrale für das Wohnzimmer selbst bauen?Mediacenter Kodi Screenshot (c) kabellabor.de

Folgende Dinge soll der neue Wohnzimmerbewohner können:

  • DVB-S-Empfang (über den zentralen IPTV-Empfänger)
  • DVB-T Empfang als Fallback (manchmal schneit es auch bei mir recht deutlich)
  • Zugriff auf die Medienbibliotheken auf meinem Server (Bilder, Filme, Audiodateien)
  • Abspielen von Filmen der Mediatheken der Fernsehsender aus dem Internet
  • Timeshift
  • UPnP-Client und Server
  • Webinterface
  • Vernünftige Fernbedienung
  • und last but not least Einbindung in mein Smarthome

Natürlich soll das ganze auch nicht gleich nach selbstgebastelt aussehen oder in einer Kabelhölle unter dem Fernseher enden. Damit das Mediacenter-Projekt auch einen kleinen sportlichen Anreiz für mich hat, habe ich mir ein Limit von 100 Euro gesetzt.

Damit auch die Kabellabor-Leser etwas davon haben, werde ich alles Schritt für Schritt hier beschreiben. In den Weiten des Internets existieren zwar schon etliche Anleitungen für den Einsatz des Raspberry als Medienzentrale, aber fast immer werden nur Teilbereiche sehr detailiert beschrieben. Außerdem achte ich darauf dem Hardwareaufbau möglichst einfach zu halten, so daß auch Nachbauer mit zwei linken Händen dieses Projekt mitbauen können.

Los geht es im ersten Teil mit einem neuen Raspberry Pi 2 und der Installation der Mediacenter-Software Kodi.

Teil 1 Kodi installieren

Einkaufsliste

Raspberry Pi 2 Model B (900MHz, Quad-core, ARM Cortex-A7 CPU, 4x USB, Full HDMI) 39,57 EUR
Speicherkarte micro SDHC, 16 GB, Class 10, inklusive SD-Adapter 5,70 EUR

Knapp die Hälfte des geplanten Budgets gebe ich für einen Raspberry Pi Modell 2 und eine 16-GB-microSD-Speicherkarte aus. Bei der Speicherkarte sollte man gerne eine Class-10-Karte nehmen. Class-10-Karten haben eine Mindestschreibgeschwindigkeit von 10 MB/s und damit ausreichend Reserve beim Einsatz als Speicher für Timeshift. Über die Lesegeschwindigkeit sagt die Class zwar nichts aus, sie ist aber auch höher, je größer die Class ist (bei Class 10 sind es meistens 9,9 MB/s).

Raspberry PI 2 (c) kabellabor.de

Die Mediacenter-Software Kodi (ehemals XBMC) installiere ich zusammen mit dem Betriebssystem Linux als Komplett-Image. OpenELEC ist hier meine Wahl. Das erspart mir erst Linux und dann Kodi auf dem Raspi zu installieren und zu konfigurierenm. Die gesamte Software inklusive Grundkonfiguration sind hier in einer Datei enthalten. Außerdem ist der Linuxunterbau von OpenELEC schön schlank und bringt einige Funktionen (z. B Update) schon mit. Das neueste Image lädt man sich direkt von der OpenELEC-Seite runter. Die aktuelle stabile Version 5.0.8 findet ihr hier.

Um OpenELEC auf die Speicherkarte des neuen Mediacenters zu schreiben benötigt man eine spezielle Software. Ich nehme Win32 Disk Imager.

win32imager (c) kabellabor.deDas heruntergeladene OpenELEC-Image wird entpackt und dann mit Win32 Disk Imager auf die MicroSD-Karte geschrieben. Vor dem Klick auf „Write“ noch einmal gucken, ob unter Device der richtige Laufwerksbuchstabe ausgewählt ist. Win32 Disk Imager sucht hier meistens das Richtige aus, aber sicher ist sicher.

Jetzt ist alles für den ersten Start vorbereitet, es fehlen nur noch zwei Dinge: Eine Energiequelle und eine Eingabemöglichkeit. Als Stromversorgung nehme ich erst einmal das Ladegerät meines Handys. Das hat ausreichend Leistung (10 Watt/2 A)  und den passenden micro-USB-Anschluss. Die Tastatur und Maus klaue ich kurzerhand meinem Computer. Alles kurz zusammengestöpselt, Fernseher an und los gehts.

Raspi mit Zubehör (c) kabellabor.de

Nach einer knappen halben Minute erscheint der Startscreen von OpenELEC, der anzeigt, das bis hier alles gut geklappt hat.

OpenELEC Startscreen (c) kabellabor.de

Den anschließend startenden Einrichtungsassistent braucht man eigentlich fast nur mit weiter durchzuklicken. Im ersten Screen ändere ich die Sprache von Englisch auf Deutsch.

OpenELEC Wizard (c) kabellabor.de

Wer möchte kann seinem neuen Medienabspieler auf dem nächsten Screen einen anderen Namen als OpenELEC geben. Die Netzwerkverbindungen werden auf der folgenden Seite eingerichtet. Im Normalfall wird das Netzwerk automatisch erkannt. Ich benutze die Cat5-Schnittstelle und schließe den Raspi per Netzwerkkabel an (Kabel ist immer besser als WLAN). Wer keine Netzwerksteckdose in Reichweite hat kann natürlich auch per WLAN auf das Heimnetz zugreifen. Viele WLAN-USB-Sticks erkennt OpenELEC automatisch. Ich habe es mit einem LogiLink WL0084Bausprobiert, der ersetzt für ca. 7 Euro das Netzwerkkabel und wird problemlos automatisch erkannt.

OpenELEC SSH (c) kabellabor.de

Auf dem nächsten Screen aktiviere ich noch SSH, das wird später noch nützlich sein. Dann ist Kodi auch schon fertig installiert und startet.

Kodi Startscreen (c) kabellabor.de

Sollte vom Bild etwas abgeschnitten sein oder ein Rand ringsherum erscheinen (was meistens so ist) kann man das anpassen, indem man unter Optionen -> Einstellungen -> Darstellung den Zoomfaktor ändert. Bei mir passt mit -4 % alles perfekt auf den Fernseher.

Im zweiten Teil geht es weiter mit der Konfiguration des Zugriffs auf die Musiksammlung, Bilder und Videos im eigenen Netzwerk und die Einrichtung von DVB-Empfängern.

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