Backuplösung CrashPlan von Code42

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Das 2001 ursprünglich als Beratungsfirma gegründete Unternehmen Code42 ist eine US-amerikanische Firma, die die Backupsoftware CrashPlan entwickelt und vertreibt. Kabellabor hat die aktuelle deutsche Version 4.6.0 der Software getestet.

Auf der deutschen Webseite bewirbt Code42 CrashPlan als: „Automatische, kontinuierliche Datensicherung aller verteilten Endbenutzerdaten für vollständige Transparenz und Kontrolle auf einer einzigen, sicheren Plattform.“ Mal sehen was sich dahinter verbirgt und ob sich die kostenlose Version der Software auch für den Privatanwender eignet.

Da es die kostenlose (Test)version auf der Webseite des Herstellers erst nach Angabe meiner persönlichen Daten gibt, lade ich Crashplan kurzerhand ohne Registrierung von Chip.de herunter. Gleich am Anfang der Installation gibt es das erste Problem: Ich muss einen Account für die Software anlegen, die gewünschten Daten einzugeben ist kein Problem nur wo ist der „weiter“-Button?

Screenshot Installer

Nach kurzer Ratlosigkeit ziehe ich das Fenster nach vertikal etwas größer und siehe da es gibt tatsächlich einen versteckten Button um das Konto zu erstellen. Dem Phänomen der zu kleinen Fenster begegne ich später noch öfter, aber wenn man es erst einmal weiß ist die Lösung schnell zur Hand.

Screenshot Installer vergrößert

Einen etwas seltsamen Beigeschmack hinterlässt die Einschätzung des Installers, das das Passwort ab1234 „Stark“ ist und keinerlei Hinweis wofür meinen Daten konkret genutzt werden. Der Rest der Installation verläuft problemlos. Die Oberfläche sieht nach dem ersten Start sehr übersichtlich aus. Gleich nach den ersten Start fängt CrashPlan an ungefragt meine Festplatte zu durchsuchen. Hier würde ich mir vorab eine Information durch die Software wünschen.

Navigation

Nach dem Einstellen des Speicherortes für das Backup, zur Auswahl stehen andere Computer im lokalen Netzwerk, Ordner, Computer von Freunden oder die Code42-Cloud, kann ich auch schon anfangen meine Daten zu sichern. Die Beschriftung neben dem Cloud-Button lautet „Nehmen Sie eine Online-Datensicherung auf Ihren bevorzugten Drittanbieter vor.“ Das verwundert mich etwas, denn laut Code42 werden meine Daten nur in der firmeneigenen Cloud gesichert. Vielleicht nur eine etwas eigenwillige Übersetzung, aber schon wieder ein schaler Beigeschmack was den Datenschutz angeht. Ich teste die Sicherung eines Ordners mit einer Handvoll Dateien und einer Gesamtgröße von 68 Megabyte auf ein Netzwerkverzeichnis und in die CrashPlan-Cloud.

Das sichern im lokalen Netzwerk ist fast problemlos möglich, nur eine geöffnete Datenbankdatei wird dabei nicht richtig gesichert. Der Upload ist mit einer Dauer von 12 Minuten nicht rasant, aber durchaus im erwarteten Bereich bei nominell 1024 Kbit/s.

68mb

Das Wiederherstellen aus der Cloud erstaunt mich dann doch ein wenig, es dauert mit knapp 7 Minuten doch etwas länger als gedacht. Auch ein paar Wiederholungen brachten das selbe Ergebnis. Falls also meine Festplatte den Geist aufgibt und ich die ca. 680 GB an Daten aus der Cloud wiederherstellen möchte brauche ich dafür bei dieser Geschwindigkeit über 45 Tage. Rein rechnerisch sollten die Daten bei meiner Internetanbindung in 2,5 Tagen wieder da sein, auch nicht wirklich praxisgerecht, aber durchaus besser.

wiederherstellung

Das Blog von Code42 gab keine Erklärung für die langsame Übertragung, eine Recherche im Internet zeigt aber, dass viele Kunden von Code42 das selbe Problem haben und vermuten, dass die Downloadgeschwindigkeit künstlich gedrosselt wird. Mit dieser Geschwindigkeit ist eine Wiederherstellung ganzer Festplatten nicht in einem akzeptablen Zeitrahmen möglich.

Die deutsche Version lässt an vielen Stellen eine ausreichende Qualitätskontrolle vermissen. Neben den versteckten Schaltflächen hat der Hersteller auch an vielen Stellen eine sehr kreative Übersetzung parat. Wer ahnt schon, was „Aufdecken Zuhören [Prüfung läuft…]“ dem Benutzer sagen soll oder welche Botschaft sich hinter der Überschrift „Richten Sie Ihre Anti-SPAM-Filter so ein, dass Benachrichtig“ verbirgt?

Screenshot Übersetzung

Und was kostet CrashPlan?
Für den Privatnutzer stellt Code42 die Backupsoftware in einem Freemium-Modell zur Verfügung. Das Backup auf externe Laufwerke und die Computer von Freunden ist damit kostenlos möglich. Ein speichern in der firmeneigenen Cloud ist nach Ablauf der 30-tägigen Testphase nur gegen Gebühr möglich, der Einstiegspreis liegt für die Mindestabnahme von 25 Lizenzen bei 150 US-Dollar monatlich. Dafür erhält jeder User unter anderem nur magere 50 GB Cloud-Speicher für sein Backup.

 

Fazit
Aufgrund der Geschwindigkeit ist die Cloudlösung von Code42 für ein Backup nicht wirklich geeignet. Ich habe auch ein wenig Bedenken, meine Daten einem externen Anbieter anzuvertrauen, erst Recht wenn sie in den USA gespeichert werden. Code42 besitzt zwar auch Server in Amsterdam, Dublin, Singapur und Sydney, wo meine Daten aber konkret gelagert werden kann ich nicht einstellen. Ein kleiner Hinweis darauf, dass die Sicherheit personenbezogener Daten bei Code42 zumindest regulatorisch nicht auf der Höhe der Zeit ist, zeigt auch die eigene Seite zu „Security, Trust and Compliance“, auf der immer noch auf das seit Oktober 2015 ungültige Safe-Harbor-Abkommen verwiesen wird. Um ein paar Versionen von Dateien automatisch extern zu lagern ist CrashPlan sicherlich geeignet, das können kostenlose Lösungen aber genau so gut oder besser (sichern auch offene Datenbanken). Last but not least schreckt mich auch der Preis und der dafür gebotene magere Speicherplatz ab. Innerhalb meines Netzwerkes Netzwerkes tut das kostenlose Robocopy genau das was CrashPlan bei mir könnte. Eine richtige Backuplösung könnte bei mir aber weder Robocopy noch Code42 CrashPlan ersetzen.

Test der Version für Firmen mit mehr als 100 Mitarbeitern

Nach dem etwas ernüchternden Ergebnis der Version für Privatanwender und Firmen bis 100 Mitarbeitern stellt der Anbieter Kabellabor eine vorkonfigurierte Version der Lösung für Firmen mit mehr als 100 Mitarbeitern zur Verfügung, da diese sofort nach der Installation ohne weitere Rückfrage versucht alle Dateien des lokalen Computers auf einen Server in den USA zu sichern breche ich den Test dieser Version ab und beantrage eine Testlizenz für die Enterprise-Lösung inklusive Server. Vielleicht bin ich damit endlich komplett Herr über meine Backups.

Installation

Nach dem Download des 1,7 GB (!) großen Pakets begrüßt mich der Installer und fordert mich zum Akzeptieren der EULA auf. Privatanwender klicken über so etwas häufig einfach hinweg, Firmenanwender lesen sich die Vereinbarung erfahrungsgemäß etwas genauer durch, also mache auch ich mir die Mühe mich mit den knapp 50.000 Zeichen der EULA eingehender zu befassen.

eula

Ein Absatz eregt meine Aufmerksamkeit: „Code42 reserves the right, at any time and from time to time, to update, revise, supplement, and otherwise modify this EULA and to impose new or additional rules, policies, terms, or conditions on Your use of the Code42 Products and Services. Code42 will communicate changes to this EULA by posting the new version of the EULA on its website at www.code42.com (or support.code42.com) or as otherwise determined by Code42 in its sole discretion, at which time such updated EULA will be immediately effective. Your continued use of any Code42 Products and Services after such notification of changes to this EULA will constitute the End-User’s acceptance of any and all such changes.“

Code42 behält sich also das Recht vor durch eine einseitige Erklärung auf deren Webseite die EULA zu ändern und diese Änderungen sollen sofort Gültigkeit besitzen ohne, dass die Möglichkeit eines Einspruches besteht. Ich bin kein Jurist aber soweit ich das beurteilen kann entspricht das nicht wirklich deutschem Recht. Für Firmenkunden würde eine derartige Regelung ein hohes Unsicherheitspotential bergen und vermutlich dazu führen, dass sich die Verantwortlichen nach einer anderen Lösung umsehen.

Die Installation verläuft fast problemlos, am Ende ruft der Installer eine Webseite auf um die Konfiguration abzuschließen. Leider ist das installierte Zertifikat ungültig und muss erst per Ausnahme zugelassen werden.

falsches zertifikat

Konfiguration
Schnell einen Account anlegen und einen Registrierungsschlüssel für den 30-tägigen Testzeitraum bestellen und schon kann es losgehen. Die Verwaltungskonsole macht einen aufgeräumten Eindruck. Die Funktionalitäten entsprechen der kleineren Version mit deutlich mehr Optionen und einigen grafischen Übersichten auf dem Dashboard. Leider haben die Übersetzer auch bei der Enterprise-Version ihre Arbeit nicht komplett beendet und man findet an etlichen Stellen englische Begriffe oder seltsame Texte. Mein Tipp einfach gleich die Sprache auf Englisch umschalten, dann hat man es einheitlich.

console

Um Daten von Endgeräten zu sichern benötigt jedes zu verwaltende Gerät einen betriebssystemspezifischen Client. Diesem kann man direkt aus der Konsole herunterladen. Zurzeit existieren Clients für Windows (32-und 64-Bit), Mac OSX und Linux.

apps

Der Client in der 64-Bit-Windowsversion ist schnell heruntergeladen und installiert. Nach dem ersten Start des Clients muss man erst einmal einen Account anlegen. Auch hier finde ich wieder eine parallele zur kostenlosen Version, der Installer hält „ab1234“ für ein starkes Passwort.

new user

Leider bricht der Client reproduzierbar genau nach diesem Schritt ab und gibt die Fehlermeldung „Systemfehler Beim wiederholten Auftreten dieses Problems bitte neu installieren Code42 CrashPlan PROe“. Der Benutzer wird richtig auf dem Server angelegt, nur eine Verbindung mit dem Client ist trotz komplett deaktivierter Firewall nicht möglich. Auch eine Neuinstallation (2 verschiedene Server und 3 unterschiedliche Clients) führte zum jeweils selben Ergebnis. Auch das Anlegen der Benutzer auf dem Server und die Eingabe der verwendeten Nutzerdaten in die jeweiligen Clients führte nicht zum Erfolg. Da auch im Logfile nur dokumentiert wird, dass der Benutzer komplett angelegt wurde und keinerlei Fehlermeldung zu finden ist, breche ich den Test an dieser Stelle ab.

new user 3

Fazit
Für 225 US$ pro Monat erhält der Firmenkunde für 25 Benutzer eine Softwarelösung mit unbegrenztem Speicherplatz, die ein normales Backup sicherlich nicht ersetzen kann. Als Schutz vor Ransomware kann Code42 CrashPlan sicherlich nützlich sein, aber auch im Firmenumfeld gibt es hierfür deutlich günstigere Lösungen. Bei Problemen, wie dem der nicht funktionierenden Verbindung zwischen Client und Server wünscht sich jeder Admin sicherlich ein paar aussagekräftige Zeilen in irgendeiner Log-Datei. Das KO-Kriterium dürfte aber für die meisten professionellen Kunden die EULA sein.

 

 

 

 

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